Böses Faul

Klassen, die ich meist in der 4. übernehme, haben bis dahin oft nur in Arbeitsbüchern und auf Arbeitsblättern gearbeitet. In normalen Schreibheften finden sich die Kinder daher nicht zurecht. Ich muss ihnen alles beibringen und lange Zeit sieht es entsprechend chaotisch aus. Sie fangen in der Mitte an, lassen nach einem Eintrag zwei Seiten frei, schreiben dann etwas auf die Seite davor, lassen keinen Rand oder machen zum Rand nochmal einen Rand, ziehen Tabellenlinien freihändig, also ziemlich krakelig. Wenn eine Seite voll ist, melden sie sich und fragen, was sie nun tun sollen?! Da ist kein Platz mehr! Umblättern und weiterschreiben, sage ich. Oh! Na sowas… Wer hätte das gedacht?! Unter die Hausaufgabe von Niels schrieb ich aus einem dieser Gründe: „Das sieht liederlich aus!“ Niels und seine Mutter mit Migrationshintergrund waren empört. Wie konnte ich so etwas schreiben? Ging das nicht zu weit? Erst als der Vater spät am Abend heimkam, konnte er das Missverständnis aufklären. Niels und seine Mutter kannten das Wort „liederlich“ nicht und ich hatte es wohl nicht in feinster Schulausgangsschrift geschrieben. So hatten sie gelesen: „Das sieht widerlich aus!“ Oje, böses Foul!

(Namen geändert)

Der Schuldige

Ich mache immer so meine Scherze mit den Kindern. So macht mir der Lehrerberuf Spaß. Und die Kinder finden das auch gut. Wenn etwas schiefgeht, suche ich manchmal nach einem Schuldigen und sagte, z.B. Alfons sei schuld. Die Klasse versteht schnell, dass das Spaß ist und geht voll mit. Alle rufen z.B.:“ Eh, sage mal, Alfons, was soll das?“ (usw.) In meiner neuen 4-ten hatte ich zuerst Ludwig zum Schuldigen erklärt, war aber unsicher, wie der das aufnimmt. Ich wechselte dann zu Rico. Der wollte das gerne. Dann wechselten wir zu Manfred. Der wollte das auch. Dann sagte ich mal wieder aus Versehen Ludwig und korrigierte mich schnell, dass ja Manfred der Schuldige sei, wenn etwas passiert ist. Ludwig gefiel das gar nicht. Er protestierte: „Ich will auch mal wieder der Schuldige sein!“ 🙂 (Ok, den Wunsch habe ich ihm inzwischen erfüllt.)

(Namen geändert)

Das Rad

In der 4-ten haben die Kinder in Berlin im Sachunterricht Verkehrserziehung. Wir sollen ihnen wichtige Regeln im Straßenverkehr beibringen. Mit der Erfindung des Rades fingen wir an. Das geschah ca. 3500 Jahre vor Christi Geburt. Es gab einen Merksatz dazu und einen unangekündigten Test. Adam schrieb über die Erfindung des Rades: „Das Rad wurde in einer Garage erfunden vor etwa 200 Millionen Jahren.“ Ich schrieb darunter: „Von den Dinosauriern?“ 😀

(Namen geändert)

Muffins

Ich muss Muffins backen. Zum Glück kann ich das inzwischen. Mit Backmischung und eigenen Ideen. Ich habe sie versprochen, damit Kinder meiner 4-ten mich heute aus dem Raum ließen. Sie hatten gestern schon diesen Spaß gemacht. Mehrere stellten sich in die Tür und versperrten sie, damit ich bleibe und nicht gehe. Alles nette Reden war zwecklos, auch das eindringliche half nicht. Erst als die Kollegin kam, die Mathe unterrichtet, ließen sie von mir ab. Heute fingen sie wieder an. Eine Hand voll. Ich dachte, was mache ich denn nun? Ich wollte nicht grob werden und auch nicht böse, es war ja ein Spaß für sie und irgendwie auch ein Zeichen von Sympathie. So fragte ich, was ich denn tun könne, damit sie mich durchlassen. Dann schlug ich selber vor, ich backe Muffins für die ganze Klasse. Darauf ließen sie sich ein. Und ich mache das auch. Aber dann müssen wir miteinander reden. :-))) So kann es nun nicht täglich sein. 😉