Der heilige Abend

01 kleiner

Schön war’s. Heiter und besinnlich. Stundenlang habe ich Geschenke zusammengebaut (Werkstatt, Puppenwagen, Autorennbahn). Zum Gottesdienst kamen wir zu spät. 5 Minuten vor dem Ende. Wir hörten noch das „Vaterunser“ und sangen „Oh, du fröhliche, gnadenbringende Weihnachtszeit …“ Dann war Schluss. Mein rechter Schuh war nass. Kater Moritz hatte in der Nacht reingepinkelt. Aber einen anderen hatte ich nicht mit. Sagt man nicht, wem eine Katze in den Schuh pinkelt, der hat 100 Jahre Glück?

Fröhliche Weihnachten!

Ganz schön keck

In Klasse 6 lasse ich die Schüler in Musik Vorträge zu berühmten Komponisten erarbeiten: Mozart, Beethoven, Tschaikowsky usw. Jeweils drei Kinder bekommen Material zur gleichen Person und sollen auch den Vortrag gemeinsam halten. Um sicherzustellen, dass etwas Vernünftiges herauskommt, bestimme ich die Gruppen und achte darauf, dass möglichst in jeder wenigstens ein leistungsstarkes Kind dabei ist. Amelie, die sehr ehrgeizig und fleißig ist, erkannte mein Prinzip. Nach der Stunde sagte sie naseweis zu ihrer Mitschülerin Irene, mit der sie in einer Gruppe war: „Die Lehrer machen es immer so: Ein Schlauer und zwei Dumme!“ – „Hee!“, sagte Irene, „bin ich jetzt etwa eine Dumme?!“ 😀

(Namen geändert)

Schützenhilfe

In der 3. Klasse gab es heute „großes Drama“. Alfonso hatte mir vorgestern erzählt, dass Maria mich „dumm“ findet. Danach soll er sie zur Rede gestellt haben: „Wieso beleidigst du meinen Lieblingslehrer?!“ Fand ich ja irgendwie süß. Im Unterricht konnte ich mir die Bemerkung nicht verkneifen, als ich Maria bat, sich ordentlich hinzusetzen, dass manche Kinder ja Lehrer dumm finden, aber ich dumm finde, wenn jemand in der 3. Klasse noch mit den Füßen auf dem Stuhl sitzt. Maria zeigte keine Regung, aber nach der Stunde soll sie in Tränen ausgebrochen sein. Die Sozialarbeiterin vermittelte ein Gespräch. Maria erklärte, sie habe so etwas gar nicht gesagt und würde so etwas auch nicht sagen. Wir einigten uns darauf, dass Alfonso das irgendwie missverstanden haben müsse.

(Namen geändert)

Freches Früchtchen ;-)

Da er zur Aggressivität neigen und in seiner Wut Stühle nach Mitschülern geworfen haben soll und eine Erzieherin schlagen wollte, wurde ich mit der Einzelfallbetreuung von Noah* aus einer 2. Klasse beauftragt. Gestern beobachtete ich ihn im Sportunterricht. Da war er ganz lieb und machte gut mit. Heute saß ich zweimal im Unterricht neben ihm, um einen beruhigenden Einfluss auf ihn auszuüben. Er benahm sich meistens, sodass ich wenig zu tun hatte. Ab und zu flüsterte ich ihm leise zu, was er jetzt machen sollte. Nach der ersten gemeinsamen Stunde schenkte er mir eine Hälfte von seinem Schokoladen-Überraschungsei. In der zweiten gemeinsamen Stunde wollte er mich mit einem Stift im Gesicht anmalen. Ich erlaubte es aber nicht. Als er fragte, warum nicht, sagte ich ihm freundlich-bestimmt, ruhig und doch sehr eindringlich: „Dann werde ich sauer!“ Er ließ es. Ich bin mal gespannt, wie sich das weiter entwickelt. 😉

(*Namen geändert)

Warme Kleidung

Mehrere Kinder der 5. Klasse behielten nach den Hofpausen ihre Jacken im Raum. Sie legten sie über die Stuhllehne und hatten offensichtlich wenig Lust, sie in ihre Schränke zu bringen. Ich bestand darauf (die Schulordnung übrigens auch), dass sie es tun und sagte, nur wem kalt sei, der dürfe sie im Raum lassen, müsse sie aber auch anziehen, denn ihm sei ja kalt. Tatsächlich behielten dann einige Kinder, ausschließlich Mädchen komischerweise, ihre Jacken im Unterricht an. Es war aber nicht kalt und so wurmte mich das auch. 🙂 Nach einigen Wochen kündigte ich daher an, ich würde mal die Eltern dieser Kinder bitten, ihren Kindern warme Kleidung mitzugeben, einen dicken Pullover oder so, denn sie frören ja immer im Klassenraum. Die Kinder machten große Augen. Die Eltern informieren? Das geht ja gar nicht. In der nächsten Stunde saß kein Kind mehr mit Jacke im Raum. Und auch über den Stuhllehnen hingen sie nicht mehr.

Mysteriös

Ich konnte mal wieder nicht gut schlafen. Irgendwann mitten in der Nacht wachte ich auf und war putzmunter. Verschiedene Dinge gingen mir durch den Kopf. Die heutige GeWi-Stunde fiel mir ein. Sollte ich nochmal die Deutschland-Daten üben? Lage, Größe, Einwohner und all das? Und danach nochmal eine Kartenarbeit? Lage der Bundesländer, Nachbarn, Hauptstädte? Das war mein Plan gewesen. Aber das hatten wir schon zweimal gemacht. Ich entschied mich um. Wir mussten im Stoff weitergehen. Mitten in der Nacht stand ich auf und plante einen kleinen Test. Zu den GeWi-Daten. Als ich in die Klasse kam, hörte ich nicht schlecht. Jedes zweite Kind fragte: Schreiben wir heute einen Test? Meine Antwort lautete wie immer: „Sage ich alles am Stundenanfang!“ Dann skandierten mehrere im Chor: „GeWi-Test! GeWi-Test! GeWi-Test!“ Sie hatten gelernt. Sie wollten ihr Wissen loswerden. Mitten in der Nacht war ich aufgewacht und hatte es so entschieden. GeWi-Test. Mysteriös! 😉

Zusammenarbeit

Daniel aus der 6., der mit mir auf Kriegsfuß steht und oft hinter meinem Rücken schlecht über mich redet, weil ich ihm zu streng bin, bekam in der Klassenarbeit zwei Einsen. Eine im Rechtschreibteil und eine im Grammatikteil. Er freute sich sichtlich und fragte neugierig, ob noch jemand besser gewesen sei, was ich verneinte. Dann fügte ich lächelnd hinzu: „Das ist auch mein Verdienst, Daniel! Ich habe es dir erklärt! Ich habe mit dir geübt! Ich habe mit dir geschimpft, dass du aufpasst und zuhörst und nicht herumdallerst und nichts mitbekommst! Es ist auch mein Verdienst!“ Da kuckte er aber. 🙂

(Namen geändert)