Carlas musikalische Weltreise

Im Musikunterricht stelle ich den Kindern der 4. Klasse ab und zu Musikstile anderer Länder vor (Buch „Carlas musikalische Weltreise„). Heute hörten wir das Lied vom Bruder Jakob in einer Variante aus Südafrika. Nachdem sie das Land erst vermuteten, nicht drauf kamen und ich es ihnen dann sagte, fragte ich: „Wo liegt denn eigentlich Südafrika?“ Julia meldete sich und sagte: „In Asien.“ Ich schmunzelte und entgegnete: „Na, du bist ja niedlich. Südafrika in Asien? Wer weiß es besser?“ – „Im Süden!“, antwortete Michael siegessicher. „Genauer!“, erwiderte ich, „wo im Süden?“ Michael zuckte mit den Schultern und ich staunte. So schwer? Aber zum Glück hatte Christian noch eine Idee: „In Afrika.“ Er rettete die Ehre der Klasse. 🙂

(Namen geändert)

Die seltsame Frau

In Deutsch, Klasse 4 schrieben wir einen Ausatz. Es sollte eine Erzählung werden. Die Kinder lernten den Aufbau und die Merkmale einer Erzählung kennen und sollten sie praktisch anwenden. Maik schrieb eine Erzählung mit dem Titel „Die seltsame Frau“. Maik war vor einiger Zeit an einer Bushaltestelle auf eine (Zitat) „braun-schwarz gekleidete, dicke, unfreundliche Frau“ getroffen. Sie sagte zu ihm: „Hau ab!“ Einfach so. Maik dachte sich (Zitat): „Was ist denn mit dieser Frau los? Was hat die denn für ein Temperament?“ Er vermutete, dass sie vielleicht von weinenden Kindern in Bussen genervt war. Zitat: „Das kann ich verstehen […] , aber dass sie das zu mir sagt, kann ich gar nicht verstehen. Wenn ich vor dieser Frau sterbe, werde ich sie als Geist heimsuchen und sie ihrer gerechten Strafe zuführen.“ Sein Aufsatz endet mit dem dritten Teil einer Erzählung, dem Schluss. Zitat: „Schluss: Ich freue mich schon, wenn ich mich rächen kann.“ 🙂

(Name geändert, Rechtschreibung korrigiert)

Die Nationalhymne

Heute schmiss ich aus aktuellem Anlass den Plan für meine Musikstunde um. So wie ganz Deutschland im Fußballfieber ist, so sind es unsere Schüler auch. Nachdem gestern Abend Deutschland gegen die Ukraine spielte und gewann, dachte ich mir, ich bringe meinen 4.-Klässlern unsere Nationalhymne bei. Dann können sie beim nächsten Mal mitsingen, wenn vor dem Spiel die Hymnen der beiden Mannschaften erklingen. Gesagt – getan. Mehrere Schüler jubelten, als ich das Thema der Stunde verkündete. Wir besprachen die Hintergründe, den Text der 3. Strophe und warum man die anderen nicht mehr singt, notierten den Verfasser und Komponisten, übten die Aussprache und dann ging es los. Selbstverständlich standen wir dabei auf. Es war schließlich unsere Nationalhymne! Die halbe Klasse hielt ganz von selbst die Hand an die Brust. Das kam nicht von mir. Sie müssen es irgendwo gesehen haben. So sangen wir. Meine 4. Klasse. 3 Türken, 3 Polen, 1 Grieche, 1 Halbaraber, 1 Halbserbe, 1 Halbasiatin und ein paar Deutsche: „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vaterland …“ Voller Inbrunst. Fand ich irgendwie cool. 😉

Hausaufgaben

Ich gebe nicht oft Hausaufgaben auf. Ich denke, die Kinder sollen auch Zeit haben zum Spielen und sich Erholen. Doch wenn ich Hausaufgaben aufgebe, dann kontrolliere ich sie auch. Unbedingt. Es ist jedoch immer das gleiche Problem. Etwa ein Drittel hat sie nicht gemacht. Und die Hälfte davon reicht sie nicht nach. Zur nächsten Stunde. Die bekommen dann eine 6 im Fach. Doch das half nicht und ich wunderte mich darüber, bis ich heraushörte, dass etliche Kinder zu Hause gar nicht mehr in ihr Hausaufgabenheft schauen. Ja, dann nützt es natürlich nichts, wenn wir dort alles eintragen und wenn ich rumgehe und schaue, ob es auch wirklich eingetragen wird. Meine 4.-Klässler sind es einfach noch nicht gewöhnt, ihr Hausaufgabenheft zu benutzen. Also folgte Plan B. Seit etwas mehr als einer Woche sage ich jeden Tag am Stundenanfang, wenn wir Organisatorisches besprechen: „Und vergesst nicht, nach der Schule zu Hause ins Hausaufgabenheft zu schauen!“ Jeden Tag sage ich das. Egal, ob sie es schon nicht mehr hören können. Heute traf ich Maxim und Leo auf der Straße. Sie hatten mir quasi aufgelauert, weil sie Tommi, meinen Hund, wiedersehen wollten. Dann gingen wir ein Stück zusammen und Maxim erzählte: „Heute habe ich zu Hause in mein Hausaufgabenheft geschaut. Zum ersten Mal.“ Da hab ich mich gefreut. Es wirkt ! Steter Tropfen höhlt den Stein. 😉

(Namen geändert)