Begegnungen

Ich mag das. Noch jedenfalls. Früher arbeitete ich 1 Stunde von meinem Zuhause entfernt. Schüler meiner Schule traf ich nie in meiner Freizeit. Jetzt treffe ich sie andauernd. Morgens, wenn ich Gassi gehe, ruft Silvia mir zu: „Hallo, Herr Schmidt!“ Nachmittags, wenn ich durch den kleinen Park spaziere, sieht mich Marian von weitem, ruft: „Hallo, Herr Schmidt!“ und kommt angelaufen. Fast schon erschrocken stolpert mir Michael abends über den Weg und sagt „Hallo!“ und neulich sprach mich ein Mädchen, das meinen Hund so niedlich fand, mit Namen an und ich fragte, woher sie denn wüsste, wie ich heiße. „Na, Sie sind doch Lehrer an unserer Schule!“ Ah, ja … Und natürlich traf ich vorhin im Einkaufszentrum wieder jemanden. Ich wechselte gerade ein paar Worte mit Frau Tietze, da schallte es aus dem Hintergrund: „Hallo, Herr Schmidt!“ Noch mag ich das. 🙂

(Namen geändert)

Akkordeon

Heute habe ich in der Schule zum ersten Mal Akkordeon gespielt. Im Treppenhaus. Ich wollte einfach wissen, wie dort die Akustik ist. Singen und Instrumente spielen klingt in Treppenhäuser meist sehr schön. Ich spielte in einer Freistunde. In den Räumen konnte man das nicht hören, weil es zu den Gängen noch Glastüren gibt, aber in der Pause gab es natürlich einen Riesenauflauf. Zwei dutzend Kinder scharrten sich um mich und hörten zu. „Ich wusste gar nicht, dass Sie Akkordeon spielen“, sagte Dennis. (Nö, woher auch?! 🙂 ) Dann bat er um eine Zugabe. Als ich fertig war, klatschten alle begeistert. Kinder sind immer fasziniert davon, wenn jemand ein Instrument spielen kann. Ich muss unbedingt mehr üben!

(Namen geändert!)

Überraschende Wendung

Das war eine überraschende Wendung. In der Hofpause wollte mich die Schulleitung sprechen. Ich solle nicht so streng sein, wie die Kinder im Unterricht sitzen. Kopf aufstützen, Füße auf dem Stuhl, Beine übereinander geschlagen. Das alles erlaube ich ja nicht. Ich war echt geknickt. Erst kürzlich hat man mich noch darin unterstützt, auf Ordnung zu achten. Gab es wirklich im Hintergrund viele Beschwerden deswegen? Am Nachmittag telefonierte ich mit einer Elternvertreterin. Ein langes Gespräch. Wegen etwas ganz anderem. Am Schluss sagte sie ganz von selbst: „Und was ich Ihnen noch sagen wollte: Ich finde es toll, dass Sie auf die Sitzhaltung der Kinder achten. Ich habe mit vielen (!) Eltern gesprochen, die finden das auch gut.“ Ich war überrascht. Und dann sagte sie noch: „Endlich macht das mal einer!“

Sprücheklopfer :-)

Es geht wieder los. 🙂 Schon an der alten Schulen waren meine Sprüche für bestimmte Situationen im Unterricht mein Markenzeichen. Auch an der neuen Schule sollen sie helfen, die Kinder leichter an ein bestimmtes Verhalten zu gewöhnen. Nach und nach fangen viele an, die Sprüche – sie nennen sie oft „Gedichte“, weil ich sie noch dazu in einer ganz speziellen Betonung („Singsang“) sage – mitzusprechen. Zuerst war es nun die 1. Klasse. Schon in der zweiten Stunde sprachen sie mit mir zusammen: „Wir stützen den Kopf nicht auf! Wir sitzen nicht mit dem Fuß auf dem Stuhl! Wir kippeln nicht! – Wer etwas sagen oder fragen möchte, meldet sich!“ Es folgte Ferid aus der 6. Klasse, der meinen Begrüßungsspruch leise flüsterte, bevor ich damit beginnen konnte: „Hinter dem Stuhl, nicht neben dem Stuhl! Nicht aufstützen, nicht anlehnen, kein Wettbewerb! Ihr seid die 6 a. – Guten Morgen, 6 a!“ Und am Freitag ging im Essenraum Edwin an mir vorbei, grinste und rief mir zu, wie ich es 3, 4, 5-mal mache, wenn ich den Raum der 4 c am Freitag betrete: „A-l-l-e Kinder bereiten sich auf den Kunstunterricht vor!!!“ 🙂 (Sonst tun sie es nämlich nicht.)

(Namen geändert)

Versteh ich nicht ;-)

Mathe ist echt eine Herausforderung für mich. Ich bin so schlecht im Kopfrechnen. Hatte mich als Schüler immer davor gedrückt. Nun habe ich eine 4. Klasse in Mathematik. Heute war es sehr anstrengend. Da gibt es so viele Störfaktoren. Kinder, die kein Matheheft haben. Kinder, die keinen Füller haben. Patronen, die alle sind. Kinder, die nicht mitschreiben, obwohl sie mitschreiben sollen. Kinder, die erst anfangen, wenn andere schon fertig sind. Kinder, die nicht zuhören, wenn man die Aufgabe erklärt. Kinder, die durch Zwischenrufe stören oder aufspringen und was aufheben wollen, was heruntergefallen ist. Ohne zu fragen. Und immer musst du sie korrigieren: Nein, jetzt nicht! Warte bitte! Fang  bitte an zu schreiben! usw.-usw. Nach dieser Stunde saß ich fix und alle im Speisesaal. Da kam Michael aus der 4. Klasse zu mir und sagte: „Heute hat mir Mathe Spaß gemacht!“ Hab ich gesagt: „Schön, das freut mich!“, aber gedacht habe ich: „Hm, was hat denn heute Spaß gemacht? Versteh ich nicht.“ 🙂

(Namen geändert)