Schönes Lied

Ich habe lange gezögert. Kann man dieses Lied heutzutage noch singen? Darf man es noch singen? Aber warum nicht? Man singt doch auch noch „Guten Abend, schön Abend“ oder „Sind die Lichter angezündet“. Lieder aus der ehemaligen DDR. Das sind jetzt gesamtdeutsche Lieder geworden! Warum dann nicht auch „Immer lebe die Sonne“? Es ist ein Lied für den Frieden. Angesichts des Terroranschlags vom 13.11. in Paris finde ich es aktueller denn je. Ich habe es heute der 4. Klasse in Musik vorgestellt. Die Kinder haben es mit großer Begeisterung gesungen – vor allem die Stelle mit der „Mutti“. Am Ende haben sie Beifall geklatscht. Das hatte ihnen gefallen. Und nach der Stunde kam Jennifer an meinen Tisch. „Ich wusste gar nicht“, sagte sie, „dass Sie so gut singen können.“ Weiß ich auch nicht, aber ich singe gern. Das weiß ich. 🙂

Das Lied bei Youtube: Immer lebe die Sonne

Es gibt eine lustige Variante auf Englisch: May There Always Be Sunshine

(Namen geändert)

 

Applaus, Applaus

Die erste Woche war anstrengend. Ich hatte jeden Tag in zwei bis drei neuen Klassen Unterricht. Und fast jeden Tag hatte ich Vertretung in ein bis zwei Klassen. Nun kenne ich alle drei 6., 5. und 4. Klassen an meiner Schule. Und eine 1. Also 10 Klassen. Klingt vielleicht nicht viel. Aber das sind rund 250 Kinder. Heißt 250 Namen merken. 🙂 Andererseits kennen diese 250 Kinder nun auch mich. Und was ich mag und was ich nicht mag im Unterricht. Einige finden mich sehr streng, haben sie mir schon gesagt. Andere haben mir gesagt, dass sie mich nett finden. Zwei Kinder fragten mich, ob ich ein Franzose sei. 🙂 Sie meinten, ich hätte so einen Akzent. (Hä?) Vielleicht können sie meinen (norddeutschen!) Akzent auch einfach noch nicht so richtig zuordnen?!? Die 6 c, bei der ich meine ersten Stunden hatte, hat heute geklatscht, als ich zum Geschichtsunterricht den Raum betrat. Ich hatte schon vom Schulleiter gehört, dass irgendwelche Klassen das beim Betreten eines Lehrers aus irgendeinem positiven Grund machen. Ich muss noch mal genauer nachfragen. Aber ich habe mich gefreut!

Für den ersten Eindruck gibt es keine 2. Chance !

Ich hatte heute meine erste Stunde in der 6 c. Die 6 c gilt als eine ruhige, nette Klasse. Die Kinder hatten, weil es eine Vertretungsstunde war, Aufgaben bekommen. Ich musste nur aufpassen. Aufsicht machen. Trotzdem machte ich gleich klar: Der Kopf wird nicht aufgestützt. Die Beine werden nicht übereinander geschlagen. Wer etwas fragen oder sagen möchte, meldet sich bitte. Niemand läuft ohne Erlaubnis im Raum herum. Wenn es auf dem Blatt keinen Rand gibt, zieht man einen. Mit Lineal. In den Rand schreibt man nicht hinein. (usw.) 🙂 Am Ende der Stunde kam Markus zu mir an den Lehrertisch. Er sagte: „Alex ist heute nicht hier. Aber der wird Sie mögen. Der liebt Ordnung.“  – „Ich auch“, antwortete ich, „und du nicht? Dann werden wir ja gar keine Freunde?!“ – „Doch“, meinte Marko zögerlich, „eigentlich schon … “ – „Schön!“, entgegnete ich und schmunzelte. (1 Stunde und man hat gleich seinen Ruf weg.) 😀

(Namen geändert !)

Frau Tietze

Frau Tietze ist eine nette ältere Dame aus meiner Nachbarschaft. Sie ist immer fein gekleidet. Und immer ist etwas in Lila dabei. Lila ist das Markenzeichen von Frau Tietze. Als ich nach Berlin zog, hatte Frau Tietze noch einen Hund. So haben wir uns kennengelernt. Eine Hundebekanntschaft, wie ich immer sage. Jetzt hat Frau Tietze keinen Hund mehr. Aber sie geht trotzdem jeden Tag raus. Den ganzen Tag alleine zu Hause, das hält sie nicht aus, sagt Frau Tietze. So treffen wir uns ständig. Fast täglich. Und manchmal erzählen wir auch miteinander. Naja, eigentlich nicht so sehr miteinander. Frau Tietze erzählt und ich höre zu. Mehr will sie gar nicht. Was ich sage, interessiert nicht. Null, niente, nothing. Ich habe mich damit abgefunden und höre zu, irgendwann bin ich auch alt und allein, aber heute, als ich Frau Tietze vor mir gehen sah, hatte ich keine Lust drauf. Den ganzen Weg bis zum Einkaufszentrum nur zuhören. Nö. Heute nicht. So ging ich ganz langsam. Frau Tietze hatte ja schon Gesellschaft. Eine andere ältere Dame. Die ihr zuhörte. Doch plötzlich blieben sie stehen. Die andere Dame ging in den U-Bahn-Eingang. Frau Tietze verabschiedete sich, ging weiter und bog um die Ecke. Jetzt blieb ich stehen. Den ganzen Weg bis zum Einkaufszentrum nur zuhören? Och nö. Heute nicht. Ich wartete ein paar Minuten. Dann ging ich weiter. Frau Tietze war nicht mehr zu sehen. Doch wer kam da aus dem Frisörladen um die Ecke? Frau Tietze. 🙂 „Hallo, Frau Tietze, „sagte ich grinsend, „gehen Sie auch zum Einkaufszentrum? Dann können wir ja gemeinsam gehen.“ Und dann gingen wir gemeinsam zum Einkaufszentrum. Und Frau Tietze erzählte. Und ich hörte zu. 🙂

Helau !

Als ich gestern aus der Apotheke ging, kam eine Kundin herein und grüßte fröhlich mit: „Helau!“ 🙂 Komisch. Es ist kein Karneval! Es ist November! Und wir sind auch nicht in Köln! Wie also kam das? Kurz zuvor hatte ich mich mit der Apothekerin unterhalten, die Tommi ein Leckerle geben wollte. Tommi nahm es nämlich nicht. Wir probierten es mehrmals, aber er wollte nicht. Damit die Apothekerin nicht traurig ist, sagte ich im Gehen: „Er ist wahrscheinlich ein bisschen unruhig, denn gegenüber ist der Tierarzt und vor dem hat er panische Angst.“ Dann verließ ich die Apotheke, die Apothekerin rief mir hinterher: „Genau!“ und in diesem Moment kam die neue Kundin herein und grüßte. „Nee“, sagte die Apothekerin belustigt zu der Kundin, „ick hab genau jesacht un nich helau !“ O … 🙂

Die Mütze

Mann, war das heute warm draußen. Und das im November! Als ich rausging, hatte ich das Gefühl, ich laufe gegen eine Wand. Das Atmen fiel mir schwer, so warm war es. Zu der Nachbarin, die mir entgegen kam, sagte ich: „Boah, ist das warm! Und ich mit Mütze !?!“ – „Ja“, antwortete sie, „ich dachte schon, du hast dir die Haare nicht gemacht und deshalb trägst du eine Mütze.“ Hä? Die Haare nicht gemacht und deswegen eine Mütze? Ich schaute ziemlich verblüfft und sie fügte hinzu: „So mach ich das immer.“ Hab ich gelacht und gesagt: „Typisch Frau, wa? Ein Mann käme nie auf so einen Gedanken!“ 🙂